| |
Wasseranalyse im Meerwasseraquarium
|
| |
| |
| Im Meerwasser-Aquarium treten aufgrund der geringen Wassermenge und der relativ hohen Besatzdichte mit Tieren Belastungen auf, die über eine Wasseranalyse messbar sind. Hier stehen die Besatzdichte und das Nahrungsangebot in einem krassen Missverhältnis. Es muss daher "von außen zugefüttert" werden. Abgesehen von Futterresten bereiten uns auch die mehr oder weniger konzentrierten Ausscheidungen von Fischen und Wirbellosen gewaltige Sorgen. |
| |
| Während im Süßwasser Pilze und Bakterien für den biologischen Abbau sorgen, sind es im Meerwasser aufgrund des stabil hohen pH-Wertes fast ausschließlich Bakterien, die im Stickstoffkreislauf diese Tätigkeit übernehmen. Ist der Stickstoffkreislauf (Oxidation und Reduktion) in irgendeiner Stufe überfordert, zeigt sich dies im Ansteigen der betreffenden Werte. |
| |
| Die optimale Qualität des Aquariumwassers ist daher unser Ziel. Um diese, im Interesse unserer Pfleglinge zu erzielen und zu erhalten, müssen die Parameter des Aquariumwassers sowie des Ausgangswassers regelmäßig überwacht werden. |
| |
| Die wichtigsten Parameter in der Analytik des Meerwassers sind der Leitwert und die Dichte sowie die Karbonathärte (KH) und der Kalziumgehalt (Ca). Die KH ist der verlässlichste Garant für einen stabilen pH-Wert im alkalischen Bereich um 8,0 bis 8,4 pH. |
| |
| Durch biogene Entkalkung (CO 2 Mangel) und viele Kalk abbauende Organismen - wie Stein- und Weichkorallen, Kalkalgen etc. - geht laufend Härte (Bikarbonat) und Kalzium verloren, Karbonate fallen aus oder werden dem Wasser entzogen. Eine Korrektur zu niedriger KH Werte und vor allem von Kalziummangel kann nur sinnvoll sein, wenn die KH Werte und der Kalziumgehalt des Aquariumwassers bekannt sind. Anders als im Süßwasser spielen dabei der Kalziumgehalt und die Karbonathärte des Ausgangswassers keine wesentliche Rolle. Es ist vielmehr die Qualität des verwendeten Meersalzes zum Ansetzen des Meerwassers, der hier größte Bedeutung zukommt. |
| |
| |
| Weiteren wichtigen Aufschluss über die Meerwasserqualität geben folgende Messungen: |
| |
| Temperatur |
| Redoxpotential |
| pH-Wert |
| Leitfähigkeit |
| Dichte (Aräometer) |
| Sauerstoff (O2) |
| Nitrit (NO2) |
| Nitrat (NO3) |
| Phosphat (PO4) |
| Karbonathärte (KH) |
| Calciumgehalt (Ca) |
| CO2 (Kohlensäuregehalt) |
| Ammonium-/Ammoniak-Gesamtgehalt (NH4/NH3) |
| Kieselsäure (SiO2) |
| Kupfer (Cu) |
| Eisen (Fe) |
| |
| |
| Diese Messungen sind relativ einfach in der Anwendung. Es gibt die verschiedensten Hersteller von Messmitteln der o.g. Messungen. Ich möchte hier keinen präferieren und auf die Aquaristikforen verweisen, in denen dieses des Öfteren, Gegenstand von Diskussion ist. |
| |
| Der Messung des Leitwerts kommt sehr große Bedeutung zu. Die Höhe der Leitfähigkeit von Wasser ergibt sich aus der Summe der in ihm gelösten leitfähigen Salze! Im Meerwasseraquarium ist die Summe aller Salze enorm hoch und der Leitwert erhöht sich ständig durch Verdunstung. Der Leitwert ist ein temperaturabhängiger Parameter, die Wassertemperatur muss daher unbedingt in die Messung einbezogen werden. |
| |
| Endstufen im Stickstoffkreislauf und andere Salze, die durch Wasserzusätze aller Art, Futter und Pflegemittel, aber auch durch Staub aus der Umgebungsluft eingebracht werden, wirken sich zwar erhöhend auf die Leitfähigkeit aus, anders als im Süßwasser spielt dies jedoch in der Meerwasser-Analytik eine untergeordnete Rolle. Bei der großen Menge der verschiedenen, enthaltenen Salze und deren unterschiedliche Wertigkeit sind aus der Leitfähigkeit des Meerwassers keine Rückschlüsse auf eventuelle Belastungsfaktoren möglich. |
| |
| Im Gegensatz zur Süßwasseraquaristik steigt der Leitwert im Meerwasser zwar auch stetig an, wird aber durch den Leitwert des Ausgangswassers so gut wie nicht beeinflusst. Es ist die Zusammensetzung und Menge der im Meersalz enthaltenen leitfähigen Substanzen, die den hohen Leitwert verursachen! Wird die Verdunstung mit Leitungswasser ausgeglichen, spielt die hierdurch verursachte Aufsalzung, im Unterschied zur Süßwasseraquaristik, ebenfalls nur eine geringfügige, kaum messbare Rolle. |
| |
| Durch biogene Entkalkung verringert sich zwar auch der Leitwert im Meerwasser (es fallen Karbonate aus - 1 KH = c. 30 µ), jedoch ist dieser Effekt bei der hohen Leitfähigkeit von Meerwasser (ca. 50.000 µ) kaum messbar und schwerlich nachweisbar. Ein Vergleich der Leitfähigkeit des Ausgangswassers mit der Leitfähigkeit des Aquariumwassers unter Berücksichtigung der biogenen Entkalkung ist daher in der Meerwasseranalyse unsinnig. |
| |
| Die hydroskopische Eigenschaft von Salzwasser führt zu einer Verringerung des Leitwerts, dies wird aber durch andere, leitwerterhöhende Vorgänge wie Verdunstung, Verdunstungsausgleich durch kalkhaltiges Wasser etc. meist kompensiert. |
| |
| Die Karbonathärte muss, als alkalischer Puffer des pH-Wertes, regelmäßig überprüft werden. Sie sollte stets mindestens 8 KH betragen. Bei Verwendung von Qualitätsmeersalz und regelmäßigem Teilwasserwechsel von monatlich, besser wöchentlich, mindestens 10 bis 15 % des Aquariuminhaltes bleibt die Karbonathärte in der Regel im optimalen Bereich über 8 KH. Sinkt der pH-Wert des Meerwassers unter 8,0 pH, ist stets die Karbonathärte vordringlich zu überprüfen. |
| |
| Eine Messung der Gesamthärte im Meerwasser ist absolut unergiebig und nicht sinnvoll. Dagegen macht die Messung des Kalziumanteils sehr wohl Sinn. Kalzium wird sowohl von Wirbellosen als auch von Kalkalgen zum Aufbau ihres Kalkskeletts dem Meerwasser entzogen. Auf die Einhaltung der optimalen Werte ist daher vordringlich zu achten. |
| |
| Diese Tatsachen machen die Wasseranalyse nicht einfacher! Der Vergleich mit dem Ausgangswasser ist zwar nicht möglich aber dennoch wichtig, wenn es sich um die Ergebnisse von Parametern wie, Kieselsäure, Phosphat, Nitrat und Kupfer, handelt. Sind im Ausgangswasser diesbezüglich hohe Werte vorhanden, ist eine Behandlung desselben durch Umkehrosmose oder Ionenaustauscher unumgänglich, will man Probleme im Aquariumwasser vermeiden. |
| |
| Das Ergebnis einer Messung lässt auch erkennen, wann sich die Qualität eines Aquariumwasser bezüglich des Leitwerts, der Karbonathärte und des Kalziumgehaltes den Unter- oder Obergrenzen für diese Parameter nähert, beziehungsweise diese gar unter– oder überschreitet. |
| |
| Was die Messung der Belastungsfaktoren aus Phosphat, Nitrat, Ammonium/Ammoniak Gesamtgehalt, Nitrit, Kieselsäure und Kupfer anbelangt, ist die anzustrebende Untergrenze bei Werten um "0 mg/L". Tolerierbar sind Werte von 0,1mg/L für Phosphat, 10-20 mg/L für Nitrat. Alle anderen zuvor genannten Werte sollten idealerweise bei 0mg/L liegen, da z.B. Ammoniak für die von uns gepflegten Tiere hochgiftig ist und dessen Nachweisbarkeit recht schnell zum Tod von Tieren führen kann. |
| |
| Je kompletter in einer Wasseranalyse alle Parameter erfasst werden, desto präziser wird auch das Ergebnis der Auswertung auf eventuelle Pflegefehler (mangelnde Wasser- und Filterhygiene, Überfütterung, überbesatz an Fischen etc.) hindeuten. Die sich hieraus ableitenden Therapiemaßnahmen führen nur dann zum gewünschten Erfolg - nämlich bester Wasserqualität -, wenn alle Parameter in der Analyse erfasst und ausgewertet wurden. Der ausschließliche Sinn und Zweck einer Wasseranalyse liegt darin, zum aquaristischen Erfolg beizutragen! |
| |
| |
| |
|
| |
| |
|