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Die „Samtkrankheit“ - Amyloodinium ocellateum
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Behandlungsmethoden und deren Wirksamkeit
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Amyloodinium ocellateum, die weltweit wohl am häufigsten vorkommende Erkrankung tropischer mariner Fische, wird in Deutsch als „Samtkrankheit“, im englischen als „Marine Velvet“ bezeichnet. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten Dinoflagellaten, eine Art einzelliger Parasit, der zwei Geißeln besitzt.
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| Amyloodinium ocellateum ist wohl eines der größten Probleme in unseren Aquarien. Dies gilt allerdings auch für die Fischfangstationen der Importeure tropischer Fische sowie dem Aquaristikhandel und deren Halterungssystemen, ja sogar für die Fischindustrie. Für Botaniker gehörte Amyloodinium ocellateum zu den Algen, die Biologen und Zoologen allerdings sagen es seien Protozoen, also Einzeller. Die Konsequenz daraus, es wurde den Dinoflagellaten zugeordnet, also einem Wesen zwischen Pflanze und Tier, dass sowohl Fotosynthese betreiben kann (wie Algen), als auch frei beweglich ist (wie Tiere).
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| Die Wachstumsform dieses Erregers nennt man Theronten , er befällt seinen Host zumeist als so genannter Rhizoid, einer Wurzel- bzw. Ankerartigen Struktur. Diese Struktur dient allerdings nicht der Nahrungsaufnahme, sondern in erster Linie der „Verankerung“ im Körpergewebe des befallenen Fisches. Ich möchte jetzt nicht weiter auf den Erreger selbst eingehen oder ihn gar Beschreiben, eines ist allerdings wichtig und verdient Beachtung. Amyloodinium ocellateum ist deutlich kleiner als z.B. Cryptokaryon Irritans, es wird folglich oftmals wesentlich später erkannt. Beachtenswert ist allerdings auch, dass im Gegensatz zu Cryptokaryon Irritans, deren freischwimmenden Theronten für nur einen oder zwei Tage lebensfähig bleiben, während die Theronten von Amyloodinium ocellateum für mindestens fünf bis sechs, in Ausnahmefällen sogar bis fünfzehn Tage (in wenigen weiteren Ausnahmefällen sogar noch darüber hinaus), infektiös und lebensfähig bleiben. |
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| Einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensfähigkeit der freischwimmenden Theronten hat die Wassertemperatur, und da diese in unseren Aquarien meist relativ hoch ist (27°C-28°C), der Wasseraustausch aber eher relativ gering, ist die Vermehrungsrate des Erregers sehr hoch. Deshalb empfiehlt es sich in jedem Fall ein befallenes Tier unverzüglich in ein geeignetes Quarantäne-Aquarium zu setzen, und dort zu behandeln. Im Aquarium wäre der Einsatz von Medikamenten in keinem Fall geraten, im Quarantäne-Aquarium aber ist das kein Problem ( siehe auch "Quarantäne für Korallenfische" ).
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| Unter anderem wegen des relativ langen „Überlebenszyklus“ dieser Theronten, empfehle ich schon seit Jahren, ALLE neu erworbenen Fische für wenigstens 3 Wochen (besser sind 4 Wochen (ich denke an Cryptokaryon Irritans) in einer Quarantänehaltung zu pflegen. Ich weiß, der Aufwand ist groß, er lohnt aber in jedem Fall. Erstens kann ein einziger zu spät erkannter Befall mit Amyloodinium ocellateum ALLE Fische eines Riff- oder Fisch-Aquarium in kürzester Zeit dahin raffen. Zweitens sind die ersten Zeichen dieser Infektion nicht offensichtlich und meiner Meinung nach sind die meisten Aquarianer nicht in der Lage diese auf Anhieb zu erkennen oder richtig zuzuordnen. Ein ganzer Monat, oder auch länger, sollte Ihnen allerdings hinlänglich Zeit geben, um einen möglichen Befall zu bemerken. Im Zweifel stirbt ein befallenes Tier bis zum Ende der Quarantänezeit.
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| Die ersten Anzeichen von Amyloodinium ocellateum sind eher als subtil zu bezeichnen. Atemschwierigkeit scheint eines der häufigsten davon zu sein. Weitere Anzeichen sind Appetitlosigkeit, der Fisch nimmt keine oder kaum Nahrung auf, reiben an Objekten/Aufbauten im Aquarium sowie fahrige oder erratische Bewegungen und eine samtige Erscheinung, die auch namensgebend für die Erkrankung ist (siehe Bild oben). Zuerst befällt der Erreger zumeist die Kiemen eines Fisches, ist die Erkrankung dann auch am Körper selbst deutlich sichtbar, ist es meist schon zu spät für eine Heilung. In einem Quarantäne-Aquarium isoliert werden muss das Tier aber TROTZDEM, da sonst die Ansteckungsgefahr für die anderen Fische im Aquarium quasi stündlich steigt.
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| Einige der bekannten Behandlungsmethoden gegen Cryptokaryon Irritans wirken bzw. können auch bei Amyloodinium ocellateum helfen. Andere Methoden, so auch die von mir gegen Cryptokaryon Irritans bevorzugte, namentlich die Hypersalinitäts-Methode, helfen bei der Samtkrankheit leider ÜBERHAUPT NICHT. |
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| Als, in meinen Augen, effektivste, sicherste und auch am einfachsten anwendbare Methode ist die Anwendung von Chloroquine Diphosphate, einem dem Chinin nahe verwandtem Medikament. Kennengelernt habe ich diese Methode in den USA. Ein einmaliges dosieren von 8 – 10 mg des Medikaments je Liter Aquariumwasser befreit den Fisch meist innerhalb von längstens 14 Tagen vom Parasiten. Da es in Deutschland sehr schwer zu finden ist und ich nicht einmal sicher bin, ob es in Europa überhaupt zu bekommen ist, habe ich hier einen Link, wo man es in den USA bestellen kann. Ansonsten einfach mal beim Tierarzt oder der Apotheke nachfragen. Das Medikament sollte, falls überhaupt zu finden, Rezeptpflichtig sein. Für diese Methode gilt, wie beim Einsatz eines Medikaments generell, NUR IM QUARANTÄNE-AQUARIUM, NIEMALS im Riff- oder Fisch-Aquarium einsetzen. |
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| Eine weitere Methoden ist die Behandlung mit einem kupferhaltigen Medikament in einem Quarantäne-Aquarium. Hierbei ist allerdings wenigstens zweimal am Tag die Konzentration mit geeignetem Messmittel zu überprüfen und gegebenen Falls anzupassen. Es hat sich als hochwirksam herausgestellt, ist allerdings auch nicht vollkommen unproblematisch. Der Wirkbereich von Kupfer ist relativ eng. Eine zu hohe Dosis Kupfer kann tödlich für den/die Fisch(e) enden, eine zu geringe keinerlei Wirkung zeigen. RICHTIG angewendet allerdings ist es bekanntermaßen wirksam und die benötigten Medikamente sind in so gut wie jedem Aquaristik-Fachgeschäft zu erwerben. Hier aus gegebenem Anlass noch einmal ein WARNHINWEIS. Bitte wenden Sie NIEMALS kupferhaltige Medikamente in einem NORMALEN Aquarium an, sprich Ihrem Riff- oder Fisch-Aquarium, es hätte tödliche Folgen für viele der Bewohner. |
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| Süßwasserbäder können ebenfalls helfen. Sie befreien in der Tat von einigen, vielleicht sogar den meisten der Parasiten, die Parasiten im Aquariumwasser allerdings bleiben davon unberührt. Somit kann man Süßwasserbäder nur bedingt empfehlen. Allerdings in Kombination mit einem der vorgenannten Methoden zeigen sie doch eine sehr gute und oft auch eine beschleunigende Wirkung auf den Genesungsprozess. |
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| Hyposalinität wird oft als mögliche Methode genannt, da sie ja auch bei Cryptokaryon Irritans bekanntermaßen hilft. Ich bin ein vehementer Verfechter dieser Methode bei Cryptokaryon Irritans, im Fall von Amyloodinium ocellateum allerdings hilft diese Methode GANZ SICHER NICHT. |
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Weitere Methoden sind zwar bekannt, deren Wirksamkeit allerdings mehr als umstritten. So mag Ozon z.B. in der Prävention Wirkung zeigen, als Behandlungsmethode halte ich eine „Ozonkur“, also verstärkter Einsatz von Ozon im Aquarium, für gänzlich ungeeignet. Wie gesagt, zur Prävention tauglich, als Behandlungsmethode allerdings nicht. Gleiches gilt für UV-Behandlung, auch hier gilt, tauglich zur Prävention aber nicht zur Behandlung. Über den Einsatz von Formalin oder auch Wasserstoff-Peroxid kann ich keine Angaben machen, da ich es selbst noch nie angewendet habe. Von Freunden in den USA weiß ich aber, dass zumindest die Anwendung von Formalin ebenfalls sehr umstritten ist. Angewendet wird Formalin als so genannter "dipp" also ein Baden des Fisches in einer Formalin/Salzwasserlösung. Da der Fische aber wieder in ein Aquarium gesetzt wird, in dem der Erreger noch vorhanden ist (auch im Quarantäne-Aquarium befindet sich ja der Erreger), infiziert sich der Fisch erneut nach dem Rücksetzen, die Methode macht folglich nicht soooo viel Sinn, oder sehen Sie das anders? Dass so genannte „flushing“, also das „ausspülen“ der Erreger aus dem Aquarium halte ich für kaum umsetzbar in einem Riffaquarium. Das mag in Aquakulturen funktionieren da dort hinlänglich Frischwasser bzw. Meerwasser zur Verfügung steht oder mehr oder weniger von der Strömung geregelt wird, in Aquarien denke ich ist es aber nicht umsetzbar. |
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| Zusammenfassend möchte ich sagen, dass die von mir persönlich präferierte Methode der Einsatz von Chloroquine Diphosphate ist. Es ist absolut ungefährlich für den Fisch (im Quarantäne-Aquarium), gleichzeitig hochwirksam und leicht anwendbar. Als Nächstes wäre ein kupferhaltiges Medikament zu nennen. Nachgewiesenermaßen wirksam, allerdings nicht unumstritten und wenn falsch angewendet, oftmals tödlich endend für den/die Fisch(e). Alle anderen beschriebenen Methoden sind eher als Prophylaxe den als Behandlungsmethode geeignet. Als Ergänzung zur Behandlung mit Chloroquine Diphosphate oder einem kupferhaltigen Medikament allerdings ist zumindest ein Formalin- oder auch ein Frischwasserbad durchaus anwendbar, da ja nachgewiesenermaßen viele Erreger abgetötet werden (wenn auch leider nicht alle). |
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| Heinz Mahler © Februar 2012 |
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