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Bau einer Aquarium-Rückwand

 

Einleitung

Warum baut man sich eigentlich eine Aquarium-Rückwand selbst und greift nicht auf fertige Produkte zurück? Gute Frage ….. ich hab es getan, weil ich meine eigenen Vorstellungen von einer bestimmten Rifflandschaft, namentlich des Riff Außenbereichs, mit nur wenigen Korallen und Anemonen bewachsen, verwirklichen wollte. Sicher gibt es da auch andere Beweggründe, aber ich wollte ein „Fisch-Aquarium“ mit relativ viel freiem Schwimmraum für die Tiere und trotzdem vorhandener Rückzugsgebiete (Höhlen und Unterstände). Mit einer fertigen Lösung wäre das in meinen Augen nicht so gut machbar gewesen.

Ehe ich anfing zu bauen, wollte ich mich eingehend informieren und besuchte zu diesem Zweck diverse Foren im Internet, las so gut wie alles, was zu diesem Thema veröffentlicht wurde und war mehr und mehr frustriert. Wo ich auch in den einschlägigen Aquaristik-Foren nachlas, war meist nur negatives zu finden. Da hieß es unter anderem, das der verwendete Zement und das Styropor mit der Zeit Giftstoffe an das Aquariumwasser abgeben solle. Hmmmm …. Vielleicht ist es doch besser, auf fertige Produkte zurückzugreifen? Nein, ich wollte erst einmal klären, ob es den wirklich so war, wie oftmals geschrieben, dass Zement und Styropor, Giftstoffe an Salzwasser abgeben, und stellte diese Frage einigen Chemiestudenten an der Uni in Frankfurt/a.M. Hat nicht viel gefehlt das die mich auslachten …. die Antwort war … Ganz sicher nicht. Styropor bestehe aus 99% Sauerstoff und nur 1% Kohlenstoff und entstehe durch „verbacken“ von reinen Kohlestoffkügelchen. „Wo und wie bitte, soll den da ein Giftstoff entstehen“? Die Antwort war ein Klares NEIN, es werden keine Giftstoffe freigesetzt, weil diese erst gar nicht entstehen können. Gleiches galt für den von mir angefragten weißen Portlandzement (CEM I), es muss ein CEM I Zement sein, weil bei allen anderen Zementen teilweise Zusatzstoffe verwendet werden, bei CEM I Zementen nicht, die bestehen chemisch gesehen aus circa 58 bis 66 % Kalziumoxid (CaO), 18 bis 26 % Siliziumdioxid (SiO2), 4 bis 10 % Aluminiumoxid (Al2O3) und 2 bis 5 % Eisenoxid (Fe2O3).

Um sicherzugehen, fragte ich auch noch in zwei Groß-Aquarien nach. Die Antwort war „wir verwenden ebenfalls teilweise Portlandzement im Aquarien- und Terrariumbau und haben bisher keine Probleme damit gehabt“! Nur zur Sicherheit habe ich dann meine Fragen in verschiedenen Chemieforen hier in Europa und auch in den USA gestellt. Die Antwort war immer die gleiche, ein klares Nein. Jetzt war auch ich überzeugt, dass es gut gehen würde, und fing an, meine Aquarium-Rückwand, zu planen.


Planungsphase

Mein Aquarium hat die Maße 200cm L X 70cm B X 65cm H (Wasserstand) = 910 Liter brutto, dazu kommen noch ca. 160 L im TB also rund 1000 L im Wasserkreislauf des Aquariums. Das sind alleine an Gewicht, rechnet man das Stahlgestell und Bodenplatten sowie TB mit ein, ca. 1,2 TONNEN ohne die Zementrückwand.

Nun, die Rückwand wird ja auch Wasser verdrängen, ich rechnete einmal grob mit ca. 10-15cm Wasserverdrängung über die gesamte Länge, 200cm x 15cm x 65cm = 195 Liter = Kilo weniger. Jetzt muss man das Eigengewicht der Rückwand wieder einrechnen (25Kg Portlandzement + 3 x 25Kg Quarzsand) 100Kg, die gesamte Konstruktion würde folglich mehr als 1,5 T wiegen. Da ja auch noch Lebendgestein im TB und Aquarium verbaut werden sollte und das Eigengewicht des Aquariums (Glasstärke 15mm ca. 400Kg) noch hinzukam. Ich hatte hier jetzt Glück. Das Aquarium sollte in meinem Büro stehen und das befindet sich im Souterrain des Hauses, steht also auf der Bodenplatte des Hauses, es gab keine Probleme mit der Statik zu berücksichtigen. Ein Glücksfall, der garantiert nicht immer so sein wird. Ein 1,6 Tonnen Aquarium kann man nicht mal eben so irgendwo aufstellen. Wie gesagt…. Ich hatte da Glück.


Das benötigte Material

6 Styroporplatten 100 x 60 x 20 (bekommt man im Baustoffhandel)

2 Styroporplatten 100 x 60 x 5

1-2 Dosen Feuchtigkeitshärtender Einkomponenten Polyurethanschaum, FCKW-frei

25 Kg Portlandzement (weiß) CEM 1 <-- Wichtig

75 Kg Quarzsand (sehr fein)

ca. 3 Dosen Aquarium-Silikon

1 Liter Salzsäure (30%tige) sowie ca 5 Liter Osmosewasser zum verdünnen



Das benötigte Werkzeug

Heißluftpistole (Mehrstufig)

Div. Sägen (Fuchsschwanz)

Teppichmesser

Kleinen Gaslötkolben

Normaler Lötkolben mit ca. 25cm langem 3-4mm dickem Kupferdraht.

Zementbottich (20L)

Zementkelle

div. Spachtel

verschiedene Pinsel



Es geht los …..

Zunächst musste ich mir Gedanken darüber machen wie ich die Rückwand, wegen des besseren späteren Einbaus ins Aquarium, aufteilen sollte. Ich entschloss mich zu folgender, dreiteiligen Variante. Die einzelnen Teile würden pro Teil zwischen ca.15 und 50 Kg wiegen, also nicht so einfach zu Händeln sein.


Teil 1 sollte genau zwischen vorderer Randverstärkung und Mittelsteg passen.

Teil 2 den Rest der Rückwand und einen Teil des Überlaufkastens abdecken,

Teil 3 schließlich die Stirnseite des Überlaufkastens und die rechte Seitenwand des Aquariums.


Draufsicht

Draufsicht Rueckwand




Im Teil 1 würden später auch die Strömungspumpen untergebracht werden, es mussten folglich Aussparungen für die Pumpen und deren Kabel vorgesehen werden. Pumpen und Kabel sollten jederzeit aus dem Aquarium zu entnehmen sein, ohne sich „die Finger brechen zu müssen“, also frei zugänglich und nicht verdeckt sein.


Zunächst habe ich die benötigten Styroporplatten für die einzelnen Teile zugeschnitten und anschließend die Aussparungen für die Strömungspumpen mit einem Lötkolben, auf den ich einen ca. 3-4mm dicken Kupferdraht aufgesetzt hatte, ausgeschnitten. Man kann das sicher auch auf andere Weise lösen, ich habe es halt so gemacht wie beschrieben. Die Winkel der einzelnen Teile mussten nun miteinander verbunden werden. Dazu habe ich einkomponenten Polyurethanschaum oder einfacher, Bauschaum … Benutzt. Die überstehenden Teile des Bauschaums habe ich nach dem Aushärten einfach mit einem Teppichmesser abgeschnitten. Nun hatte ich meine drei Teile, allerdings noch ohne jegliche Kontur.


Um spätere Überhänge und Höhlen zu erstellen, habe ich nun aus den Resten der großen Styroporplatten und aus den 2 kleineren, unterschiedlich großen Stücken gebrochen, diese teilweise auf bzw. übereinander geklebt (Bauschaum) und diese Teile dann wiederum auf die Rückwandteile geklebt (Bauschaum). Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mein Tipp: Lieber etwas zu großzügig die Überhänge und Vorbauten gestalten als zu klein. Alles Überflüssige kann man später einfach „Wegbrennen“.


Nachdem man nun das Styropor für die Überhänge usw. verklebt hat und alles schön getrocknet ist, geht man an die „Feinarbeit“ um die Struktur der Wand zu optimieren. Hierfür habe ich für die gröberen Formen eine Heißluftpistole mit 3 Stufen genommen. Zum einen kann man damit die noch eckigen Formen der Überhänge abrunden, zum anderen aber auch „Höhlen“ aus den dicken Styroporblöcken „ausbrennen“. Auch hier der Fantasie wieder freien Lauf lassen, aber nicht zu viel Styropor stehen lassen. Jedes bisschen Styropor der stehen bleibt und auch später nicht von der Rückseite entfernbar ist, gibt Auftrieb. Hat man die groben Formen fertig, kann man mithilfe eines kleinen Gaslötkolbens an die Feinarbeit gehen und schmale Riefen und Vertiefungen im Styropor anbringen. Wie gesagt, ich habe die großen Flächen mit der Heißluftpistole entfernt, die feineren, kleineren Strukturen aber mit dem Gaslötkolben ausgearbeitet.


Ist die Rückwand in etwa so, wie man sie sich vorstellt, kann man jetzt mit dem „zementieren“ beginnen. Ich habe zunächst einen recht dünnflüssigen Zementbrei angerührt aus 3 Teilen Sand und 1 Teil Zement. Wasser habe ich so lange zugegeben, bis der Brei die richtige Konsistenz hatte, er muss gerade noch so tropfen (weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll, sorry). Mit einem Pinsel habe ich diesen Brei nun auf die einzelnen Teile MEHRFACH (3-4 Mal) aufgetragen. Auch die Teile, die später auf dem Aquariumboden aufstehen, müssen mit Zement bestrichen werden, um später das Styropor ausbrennen und den entstandenen Hohlraum wiederum mit Zement füllen zu können, bitte darauf achten das diese Teile plan und „im Wasser“ sind. Die Dicke der Zementschicht in den Abmaßen der Rückwandteile.


Sind die einzelnen Elemente der Rückwand durchgetrocknet, kann man damit beginnen das verbliebene Styropor, von der Rückseite der Elemente her, mit der Heißluftpistole auszubrennen und anschließend hartnäckige Reste mit verdünnter Salzsäure entfernen. Dass man dafür am besten ins Freie geht, muss ich nicht erwähnen. Auch das in Form Bringen der Styroporblöcke mit der Heißluftpistole macht man am besten im freien. Sind die Elemente mit Salzsäure behandelt worden, muss man sie sofort nach der Behandlung gründlich abspülen. Ich habe dafür einen „Dampfstrahler“ genutzt, ein kräftiger Wasserstrahl sollte es aber auch tun.

Um jetzt die entstandenen Hohlräume mit Zement aufzufüllen, muss man nicht warten, bis diese wieder trocken sind, man kann damit direkt beginnen. Bitte daran denken, dass die einzelnen Teile später im Aquarium STEHEN müssen, je weniger Styropor über bleibt, je weniger Auftrieb haben die Teile später und je weniger Silikon muss verwendet werden, um sie zu fixieren. Ach ja, bitte unbedingt VOR dem Einbringen in das Aquarium den Stand der einzelnen Teile prüfen. Bei mir ist auch eines der Teile nach vorne gekippt, da ich einen sehr großen Überhang geformt hatte, somit war das fragliche Teil etwas „vorlastig“. Habe einfach einen „Zementfuß“ unter den Überhang gebaut und schon stand das Teil wieder.


Jetzt heißt es warten, warten, bis alle Teile richtig trocken sind. Ich habe dafür ca. eine Woche gewartet. Es war Herbst, in den warmen Sommermonaten geht das sicher etwas schneller. Der Zement sollte nicht in der unmittelbaren Sonne trocknen, auch sollte man keine anderen Hilfsmittel verwenden, um ihn zu trocknen, er würde sonst rissig werden. Das sollte man aber unbedingt vermeiden. Die Teile müssen jetzt gewässert werden damit der Zement „ausblühen“ kann. Dafür habe ich die einzelnen Teile direkt ins Aquarium gestellt. Bitte unbedingt mit zwei, besser drei Mann machen. Die Teile sind wirklich sehr schwer, alleine geht das auf keinen Fall. Fällt einem so ein Teil aus der Hand, kann man sein Aquarium vergessen, es ist in jedem Fall hinüber. Auch darauf achten das die Teile beim Einsetzen nicht verkanten und an das Glas kommen, das kann üble Kratzer geben. Also mit zwei bis drei Mann, schön behutsam und vorsichtig einsetzen. Ich weiß, dass Sie das wissen, trotzdem, „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ hat mein Opa immer gesagt. Er hatte recht!


Sind die Teile „kratzerlos“ im Aquarium angekommen, wird dieses mit Leitungswasser befüllt und die Teile insgesamt ca. 3 Wochen so stehen lassen. Ich habe jede Woche das Wasser gewechselt, außerdem mit einer groben Bürste, unter Wasser, abgebürstet um den Zementstaub zu entfernen (natürlich VOR dem Wasserwechsel). Ob 3 Wochen wirklich notwendig sind, kann ich nicht sagen, ich habe es sicherheitshalber eben so gemacht.


Ach ja, es kann passieren das einzelne Teile auftreiben. Sollte das geschehen, hat man schlicht zu wenig Styropor entfernt, das macht aber nichts. Diese Teile einfach mit etwas Silikon an der Bodenplatte fixieren. Ich habe, einfach nur zur Sicherheit, alle Teile auch am oberen Rand mit Silikon im Aquarium befestigt, das bekommt man jederzeit mit einem scharfen, biegsamen Messer wieder ab (wenn gewünscht)!

IIm Prinzip ist die Rückwand jetzt fertig. Was fehlt ist das verbinden der einzelnen Teile im Aquarium. Wenn man sich die Option offen halten möchte, die Rückwand wieder entfernen zu können, sollten die Teile nicht miteinander verbunden werden. Wer das nicht mag, sondern eine einheitliche Rückwand haben möchte, kann die Teile auch schon VOR dem wässern, mittels Zement, miteinander verbinden. Dann muss man aber mit dem Wässern noch warten, bis die Verbindungsstellen ausgetrocknet sind.


Nach dem Abtrocknen der Rückwand das Aquarium mit Wasser befüllen (Osmosewasser) und „salzen“. Man kann mit einer etwas verlängerten Einfahrzeit rechnen. Ich konnte nach etwa 8 Wochen die ersten Weichkorallen und Einsiedler sowie Schnecken einsetzen. Es war kein NO2 mehr nachweisbar und NO3 lag unter 20mg/l. Nach weiteren 8 Wochen habe ich dann die ersten Fische eingesetzt. Allen Tieren geht es bis heute (9 Monate später) gut, alle Tiere des „Erstbesatzes“ schwimmen bzw. krabbeln noch gesund und munter im Aquarium herum.

Die Aquarium-Rückwand ohne Ober- sowie Kiesblende nach ca. 8 Monaten

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Viel Spaß und Erfolg beim nachbauen .

 

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