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Glasrosen als ungebetene „Gäste“ im Meerwasser-Aquarium

... und wie man sie wieder „ los wird“ !

 

 

Die Glasrose, ich spreche hier von „Aiptasia diaphana“ der Trompeten-Anemone oder „neudeutsch“ auch Rock-Anemone, wird recht häufig von Anfängern in der Meerwasser-Aquaristik freudig als „Neuling“ im Aquarium begrüßt. Dies ändert sich allerdings relativ schnell, wenn erst einmal bekannt wird, wer sich da langsam aber sicher im Aquarium ausbreitet und alle umliegende Korallen vernesselt sodass diese letztlich absterben, zumindest aber meist schwere Nesselschäden davon tragen.

 

Erste Gegenmaßnahme von noch unerfahrenen Anfängern im Hobby ist dann meist das Abreißen, Abschneiden oder auch Abkratzen der Glasrosen oder Aiptasien (wie ich sie im Folgendem nenne, werde) vom Lebendgestein. Dies hat allerdings fast immer zur Folge das sich die Aiptasien explosionsartig im gesamten Aquarium ausbreiten. Da sich aus jedem noch so kleinen Stück (und sei es auch nur mikroskopisch klein) das im Aquarium verbleibt eine neue Anemone ausbildet, sind derartige Maßnahmen vollkommen ungeeignet Aiptasien dauerhaft zu entfernen.

 

Nun, wie sie nachfolgend lesen werden, gibt es einige Methoden Aiptasien wieder „los zu werden“, darunter befinden sich auch einige natürliche „Fressfeinde“, die allerdings auch die eine oder andere „Nebenwirkung“ mit sich bringen können.

 


Aiptasie sp.

 

Nach einigen Experimenten im Verlauf der letzten Jahre möchte ich Ihnen zunächst den in meinen Augen „sichersten“ und für alle anderen Mitbewohner im Aquarium ungefährlichsten Weg an erster Stelle nennen. Das Abspritzen mit hoch konzentriertem Zitronensaft. Ich nutze dafür eine herkömmliche Plastik-Spritze mit Injektionsnadel (subkutan) aus der Apotheke und spritze der Aiptasie ca. 2-5 ml (je nach Größe) dieses Zitronensaftkonzentrats (bekommt man in so gut wie jedem Lebensmittelgeschäft) direkt in den Fuß. Schon nach wenigen Sekunden löst sich die Anemone vom Substrat und kann restlos entfernt werden. Der Vorteil dieser Methode fragen Sie? Nun, Zitronensaftkonzentrat ist vollkommen ungefährlich (auch für in unmittelbarer Nähe stehende Korallen) und biologisch abbaubar, außerdem zeigt es tatsächlich UNMITTELBAREN Erfolg.

 

 

Vorgehensweise:

 

Wie immer im Umgang mit „scharfen“ oder spitzen Instrumenten möchte ich darauf Hinweisen vorsichtig zu sein, um sich nicht unnötig selbst zu verletzen. Während der „Behandlung“ empfehle ich das tragen von ungepuderten Latex Einmalhandschuhen insbesondere für Allergiker. Dies ist ein kann und kein muss, den wie man weiß … ­Aiptasien haben ein recht starkes Nesselgift und der/die eine oder andere mag darauf empfindlich reagieren.

 

Zunächst die Spritze und die Injektionsnadel aus der Verpackung holen, die Injektionsnadel fest auf die Plastikspritze aufdrücken (leicht drehen), die Abdeckung der Injektionsnadel entfernen (leicht drehen) und ca. 2-5 ml Zitronensaftkonzentrat aufziehen.

 

Nun mit der Injektionsnadel IN den Fuß der Aiptasie ein stechen (nicht durchstechen) und das Konzentrat einspritzen. Auf gleiche weise mit allen erreichbaren Aiptasien in der näheren Umgebung verfahren. Die Aiptasien werden sich im Moment des Einstechen zusammenziehen und seltsamerweise nicht versuchen das Konzentrat irgendwie wieder loszuwerden. Es emittiert meist ein weißer „Schleier“ oder auch kleine weiße Fäden aus den Aiptasien und nach wenigen Minuten sind sie tot und können mit einer Pinzette aus dem Aquarium entfernt werden.

 

Selbstredend ist für diese Aktion eine wirklich ruhige Hand erforderlich, insbesondere bei recht kleinen Aiptasien. Sollten die Aiptasien allerdings so klein sein das ein Einspritzen kaum möglich ist … nun, einfach wachsen lassen und wenn die Aiptasie die „passende“ Größe erreicht hat einen erneuten Versuch starten.

 

Die kleine Menge Zitronensaftkonzentrat hat meist keinerlei Auswirkung auf den pH Wert im Aquarium, es sei den man „säubert“ ein ganzes Aquarium auf einmal und hat eine sehr große Anzahl zu entfernen. In diesem Fall würde ich immer „Sektion weise“ vorgehen und den pH-Wert im Auge behalten, regelmäßig messen und gegebenenfalls den Wert anpassen. Am besten jeden Tag nur eine kleine Sektion im Aquarium von Aiptasien befreien. Umliegende Korallen sollten durch die „Behandlung“ nicht geschädigt werden, ich konnte zumindest in meinen Aquarien keine entsprechenden Schäden feststellen.

 

Aiptasia sp.

 

 

 

Weitere mehr oder weniger wirksame Methoden der Entfernung von Aiptasien möchte ich hier nur kurz vorstellen. Über die Vorgehensweise der einzelnen Methoden sind sowohl auf www.korallenriff.de, als auch auf diversen anderen Sites und Foren im Internet, ausführliche Artikel und Beschreibungen zu finden.

 

 

Kalziumhydroxid Ca(OH)2

 

Das „Abspritzen“ mit Kalziumhydroxid in einer konzentrierten Lösung ist eine der am häufigsten verwendeten Methoden. Nun, ich habe auch diese Methode ausprobiert und musste feststellen das sie (zumindest bei mir) nicht besonders effektiv wirkte. Da hier der Kalziumhydroxidbrei in die Mundöffnung der Aiptasie gespritzt werden muss, ist die Erfolgsrate meiner Meinung nach eher als gering einzustufen. In meinen Aquarien entwickelten sich an gleicher Stelle erneut Aiptasien an denen ich sie zuvor entfernt hatte. Von anderen wurden allerdings auch mit dieser Methode gute Erfolge berichtet.

 

 

Natriumhydroxid NaOH

 

Diese Methode ist 100% wirksam, allerdings nur wenn man die Lösung auch optimal in die Mundöffnung der Aiptasie injizieren kann. VORSICHT bei der Anwendung, nicht umsonst wird Natriumhydroxid auch ÄTZNATRON genannt. Bei Anmischen und Anwenden der Lösung in jedem Fall Latexhandschuhe tragen ansonsten kann man sich die Haut verätzen.

 

 

Kochendes Wasser

 

Diese Methode ist nur bedingt wirksam und meiner Meinung nach nur bei gut erreichbaren Aiptasien anwendbar. Hat die Aiptasie ihren Fuß IM Gestein verankert, zieht sie sich zurück und man „verbrüht“ nur einen Teil der Aiptasie die sich anschließend meist recht schnell wieder erholt.

 

 

Wer keine der oben genannten Methoden anwenden möchte, hat die Möglichkeit auf „natürliche“ Fressfeinde zurückzugreifen. Unter den Fischen zählt z.B. der Seegras- oder Tangfeilenfisch (­Acreichthys tomentosus) als der ultimative ­Aiptasienfresser. Unter den Schnecken ist hier ­Berghia ­verrucicornis an erster Stelle zu nenne und im Gegensatz zum Tangfeilenfisch ist diese Schnecke auch 100% „reef save“. Leider frisst sie AUSSCHLIESSLICH Aiptasien und müsste verhungern, ist auch die letzte Aiptasie aufgefressen. Es sei denn, man hat einen befreundeten ­Reefer dem man die Schnecke(n) abgeben kann um dessen Aquarium zu „säubern“. Eine weitere Möglichkeit, man „züchtet“ in einem separaten Aquarium Aiptasien als „Berghia-Nahrung“! Wer Berghia verrucicornis züchten möchte kommt ohnehin nicht um eine „Aiptasienzucht“ herum, warum also nicht versuchen?

 

Viele der im folgenden aufgeführten Tiere gelten als gute bis sehr gute Aiptasien Fresser, eine Garantie das ALLE unten genannten Tiere Aiptasien fressen gibt es selbstverständlich nicht. Was bleibt ist die Chance, dass sie es tun. Immer auch bedenken sollte man VOR dem Erwerb eines oder gar mehrerer dieser Tiere das Sie sich meist nach „verschwinden“ der letzten Aiptasien eine „Ersatznahrung“ suchen und dabei auch andere Seeanemonen, Röhrenwürmer, Schnecken, Muscheln, Seeigel und Krebse, oftmals aber leider auch Korallenpolypen (meist LPS, seltener SPS) nicht verschonen. Man sollte also wirklich gut überlegen, ehe man sich ein solches Tier zulegt. Ich habe zum Beispiel einen Chaetodon kleinii in mein Riff-Aquarium geholt. Er hat mir tatsächlich ALLE Aiptasien, ja sogar A.majanos (die ich zu der Zeit leider auch hatte) gefressen. Allerdings hat er auch sämtliche Krustenanemonen und zwei LPS-Korallen geradezu vernichtet. Inzwischen frisst er fast ausschließlich, was ich füttere, weitere Schäden konnte ich bisher nicht beobachten ….. aber wer weiß? Aiptasien oder gar A. majano habe ich seit dieser Zeit allerdings auch keine mehr gesehen.

 

C. kleinii

 

 

Falterfische:

 

Chaetodon auriga, Chaetodon lunula, Chaetodon kleinii, Forcipiger flavissimus, Forcipiger longirostris, Chaetodon unimaculatus,

Chelmon rostratus.

 

 


Feilenfische:

 

Acreichthys tomentosus, Aluterus scriptus, Pervagor janthinosoma, Pervagor melanocephalus

 

 


Kugelfische:

 

Arothron meleagris ist bekannt dafür AUCH Aiptasien und andere Anemonen nicht zu verschmähen, gleiches gilt für die meisten Angehörigen der Unterfamilie der Canthigastrinae (z.B. Canthigaster solandri, Canthigaster valentini und andere).


 

Garnelen:

 

Lysmata wurdemanni, Lysmata boggessi, Lysmata seticaudata, Rhynchocienetes uritai

 


Lysmata wundermanni © Richard Goile 2007-2008

 

 

Für welche Methode oder Tier sie sich auch immer entscheiden mögen, ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Bekämpfung der Aiptasien in Ihrem Aquarium..

 

Heinz Mahler © Oktober 2009

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